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JFS Ausbildungstagebuch

JFS - Virtuelle Jagdfliegerschule "Adlerhorst"

Die JFS ist eine virtuelle Jagdfliegerschule, an der man sich als Schüler anmelden kann und systematisch das Fliegen in der Simulation IL-2 Sturmovik erlernt. Nähere Informationen findet Ihr auf der Webseite der JFS.

Ich selbst habe mich am 20.06.2011 angemeldet und absolviere die Grundausbildung. Im folgenden fasse ich meine Erfahrungen als kleines Fliegertagebuch zusammen.

24. Juni 2011 - Modul 1: Fliegerische Grundlagen

Meine ersten Flugstunden mit Tutor. IL2 gerade frisch gekauft und installiert. Joystick frisch gekauft und eingerichtet. Das Theoriematerial "Junge Adler" einige Male durch gelesen, aber ohne praktische Fliegererfahrung war ich gespannt was auf mich zukam.

Der Tutor erklärte uns zunächst die Geschite der Bf-109, des Ausbildungsflugzeugs der JFS. Die Bf-109 ist für den Anfänger ideal, da bei ihr das Motormanagement, die Properblattverstellung und die Kühlung automatisch geregelt sind.

Dann wurden die Instrumente und verschiedenen Funksprüche besprochen.

Los ging es mit einem Parcour auf dem Boden, den man mit dem Flugzeug umfahren musste. Gar nicht so einfach, wenn man nicht sieht was direkt vor einem ist.

Das danach durchgeführte Hochgeschwindigkeitsrollen ist eine Vorbereitungsübung für das Starten. Es waren mehrere Veruche nötig bis es klappte.

Erst jetzt wurden die ersten Starts mit folgender Platzrunde und Landeanflug geübt. Natürlich alles mit passenden Funksprüchen.

Um 23:00 Uhr war ich nass geschwitzt, hatte aber schon die ein oder andere geglückte Landung hinter mir. Wir beschlossen, einen Wiederholungstermin durchzuführen, da die Zeit nicht für alles ausgereicht hat.

13. Juli 2011 - Modul 1: Fliegerische Grundlagen (Fortsetzung)

Wir wiederholten alle Übungen des ersten Abends, mit Schwerpunkt auf der Landung. Irgendwie wollten meine Landungen nicht mehr so recht klappen. Am Schluss war aber dann doch der Groschen gefallen. In den folgenden Tagen habe ich die Landung dann auf verschiedenen Flugplätzen wiederholt, bis ich sicherer darin wurde. Zwar klappt es noch nicht immer, aber meistens.

20. Juli 2011 - Modul 2: Einführung in die Kontrolle des Flugzeuges

Im Modul 2 wurden folgende Theman besprochen und mit praktischen Übungen vertieft:

  • Richtiger Geradeausflug (mit Höhentrimmung)
  • Richtiger Kurvenflug
  • Steuerung des Flugzeuges nur über Seiten- und Höhenruder (also ohne Querruder!)
  • Langsamflug über 30 Sekunden
  • Trudeln aus 3000m Höhe. Abfangen bei ca. 1000m Höhe.
  • Sturzflug bis max. 640 km/h
  • Rückenflug in max. 30m Höhe
  • Slip

Gerade aus zu fliegen hört sich so einfach an, ist es aber nicht. Die einzelnen Aktionen (Schub, Neigungswinkel usw. verändern) hat immer Auswirkungen auf die Flugrichtung und das Verhalten des Flugzeuges. Unser Tutor hat uns dabei die Höhentrimmung erklärt und demonstriert.

Für mich war es neu, dass der Kurvenflug ausschließlich mit den Pedalen und ggf. mit dem Höhenruder geflogen wird. Zur Verdeutlichung gab es eine Übung in der das Flugzeug ohne Querruder durch eine Slalom-Strecke geflogen werden mußte. Das klappt auf anhieb recht gut.

Den Langsamflug mit weniger als 160 km/h mehr als 30 Sekungen aufrecht zu erhalten ist eine Herrausforderung. Genau wie der Slip muss ich beides noch etwas üben um darin Sicherheit zu erlangen. Beim Langsamflug ist es schwer das Flugzeug zu halten. Jelangsamer man wird, desto empfindlicher reagiert es auf Steuerbewegungen. Beim Slip wird das Flugzeug in der Hochsachse gedreht und leicht schräg zur Flugrichtung gestellt. Dadurch erhöht sich der Luftwiederstand und die Geschwindigkeit läßt nach. Es ist ein sehr gutes Bremsmanöver.

Der Sturzflug, der Rückenflug und das Abfabfangen des Flugzeugs, wenn es ins Trudeln geraten ist fand ich einfacher als den Langsamflug und den Slip. Dafür sorgt sie aber für mehr Adrenalin. smile-grin

Ich fand den Abend wieder sehr spannend und bedanke mich bei userem Tutor und den anderen Flugschülern für Ihre Gedult und das offene und freundliche Miteinander.

27. Juli 2011 - Modul 3: Fortgeschrittene Kontrolle des Flugzeuges

Unser Tutor hatte uns schon vorgewarnt, dass diese Modul theoretischer und damit etwas trockener würde als die anderen Module. Die Themen waren:

Motormanagement - Anwendung und Auswirkung von:

  • Gemisch
  • Kompressor
  • Propellerblattverstellung
  • Motorkühlung

Aber es wurden auch praktische Übungen durchgeführt. Daher war es nicht so schlimm. Ausserdem vermittelt unser Tutor den Stoff auf sehr angenehme und lockere Weise. Im Anschluss haben wir noch eine halbe Stunde freien Luftkampf zur Übung durchgeführt. Leider stürtzte am Schluss mein Rechner ab und wollte nicht mehr sauber starten. Erst nachdem ich die neueste Version von Avast deinstalliert habe, lief er wieder sauber. Seit ich die Software vor zwei Wochen aktualisiert hatte, traten die ersten Fehler auf. Jetzt darf AVG zeigen was es kann. Trotzdem muss ich meinen PC im Auge behalten, falls es dort mit der Hardware zu tun hat.

29.07.2011 - Modul 4: Navigation

Zuerst wurde das Koordinatensystem der Karte und das Warbird-Verfahren zur Angabe von Positionen besprochen. Dann wurde Beispielhaft ein Kurs von einem Flughafen zu einem anderen eingezeichnet und der Kurs mittels Kompassrose ermittelt. Jetzt fehlte noch die Entfernung. Der Abstand wurde gemessen und mittels Formel und Taschenrechner die Entfernung ausgerechnet. Um die Flugzeit zu ermitteln wurde zunächste die Marschgeschwindikeit festgelegt. Da mit zunehmender Höhe der Luftdruck sinkt und das Flugzeugt schneller fliegt, als es an den Instrumenten angezeigt wird, musste die TAS (True Air Speed=Wirkliche Fluggeschwindigkeit) per Tabelle oder Berechnung ermittelt werden. Nun konnte die Flugzeit berechnet werden. Im Anschluss sind wir zusammen die Route geflogen und es stellte sich herraus, dass die Ermittlung der eigenen Positiion anhand der Landschaft nicht immer so einfach ist und etwas Übung benötigt.

Jeder Schüler mußte nun eine individuelle Navigationsübung durchrechnen und fliegen um das Erlernte zu vertiefen.

Danach wurde es ernst. Wir erstellten eine Navigation für einen Nachtflug bei widrigsten Bedingungen. Keine Sicht (Nacht + Wolken) und Seitenwind unter 1000m machten uns das Leben schwer. Es war eine Extremsituation, die uns zeigen sollte, dass man es auch bei solchen Umständen schaffen kann das Ziel zu erreichen. Nach ein paar Versuchen, hielt ich es für fast unmöglich, doch unser Tutor zeigte uns, dass es schaffbar ist. Die sichere Navigation erlernt man nicht an einen Abend. Ich werde noch etwas üben müssen, damit es zur Prüfung klappt. Aber alles an Wissen und praktischen Übungen wurde uns vermittelt, damit wir weiter kommen. Wieder einmal ein interessanter und lehrreicher Abend.

15.08.2011 - Modul 5: Ausnahmesituationen

Im Modul Ausnahmesituationen wurden folgende Themen behandelt:

  • Landung bei
    • defektem Motor
    • defektem Fahrwerk
    • defektem Motor und Fahrwerk
    • defektem Querruder
    • defektem Höhenruder
  • Landung aus überhöhter Position

Dabei steht immer im Vordergrund das Flugzeug nach Hause zu bringen und die geringste Beschädigung bei der Landung zu erreichen, die in der gegebenen Situation möglich ist.

Für die Landung im Segelflug mit defektem Motor ist das Schließen der Kühlklappen und die Stellung der Propellerblätter auf 0 bzw. Segelflugstellung sehr wichtig. Erst im letzten Moment werden die Landeklappen und das Fahrwerk ausgefahren. Wenn man sich  daran hält und genügend Höhe hat, ist es erstaunlich wie weit man ohne Motor kommt.

Ohne Fahrwerk muss man neben der Piste auf einem geraden baumfreien Stück Wiese landen. Wenn man die Nase schön hoch hält, wird das Flugzeug nur minimal beschädigt. Wenn Motor und Fahrwerk beschädigt sind, muss man beide erlernte Verhaltensweisen kombinieren.

Die Landung ohne Querruder ist gewöhnungsbedürftig, aber mit ein wenig Fingerspitzengefühl durchaus möglich. Die Steuerung des Flugzeuges nur per Seiten und Höhenruder aus Modul 2 werden hier nun in die Praxis umgesetzt.

Zuletzt kam die Landung aus überhöhter Position. Schub raus, Klappen auf Landung, Fahrwerk raus und ab in den Sturzflug. Dabei schön slippen und peinlich genau auf die Geschwindigkeit achten. Bei 300 km/h das Fahrwerk zur Sicherheit einziehen und den Hobel abfangen. Wenn nötig das ganze wiederholen. Da man viele Aktionen kurz hintereinander machen muss, braucht man ein wenig Übung dafür. Genau wie beim Abbigen beim Autofahren: Zuerst denkt man, dass man es nie schaffen wird und nach ein wenig Übung geht es wie von selbst.

16.08.2011 - Prüfungsvorbereitung

Unser Tutor hat noch einen zusätzlichen Übungstermin angesetzt um Fragen zu klären und bei Problemen zu Unterstützen. Dies haben wir gerne angenommen.

Die Navigationsberechnungen in der Luft durchzuführen war ein Punkt der uns sehr verunsicherte. Wie hält man das Flugzeug oben und berechnet gleichzeitig einen Kurs? Die Lösung ist einfach: Flugzeug trimmen, so dass es leicht steigt und mit den Pedalen eine große Kurve fliegen. Zwischendurch immer mal wieder kontrollieren und ggf. nachtrimmen. Das gibt einem genügend Zeit den Kurs, die Entfernung, TAS und Flugzeit zu ermitteln.

Ein weiterer Punkt war das Aufsetzen des Fahrwerks im vorderen weißen Kasten der Landebahn. Irgendwie wollte dies bei uns nicht reproduzierbar gelingen, aber mit der Unterstützung der Tutors wurde es besser und besser.

17.08.2011 - Prüfung für die Flugzeugführerlizenz Klasse A

Nun war es soweit. Die Prüfung lag vor uns. Wir (also die Prüflinge) waren doch sehr nervös. Natürlich hatten wir zwischen den Modulen den Stoff selbstständig weiter geübt und der Tutor stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite, aber irgendwie hatten wir doch schwitzige Hände.

Am Anfang hat jeder Schüler eine eigene Navigationsaufgabe erhalten. Als Kurs, Entfernung, TAS und Flugzeit berechnet wurden haben wir uns unter Einhaltung aller Regel (Funkdisziplin, Rollbereitschaft usw.) zur Piste begeben. Startcheckliste abarbeiten und Rakete. Auf Höhe gehen, Geschwingikeit anpassen und auf Kurs gehen. Zwischendurch wurde unsere Position vom Tutor abgefragt. Das klappet alles soweit recht gut. Beide Prüflinge haben das Zielgebiet aufgeklärt und erhielten Anweisung zum gemeinsamen Zielflughafen zu navigieren. Dank der Übung am Vorabend stellte dies kein Problem mehr dar. Trotzdem wich mein Kurs vom gewünschten Ergebnis ab. Aber da ich auf Sicht navigierte, konnte ich die Abweichung ausgleichen.

Nun Landen aus überhöhter Position. Um von 5000 m auf 500 m runter zu kommen benötigte ich drei oder vier kontrollierte Sturzflüge. Leider behielt ich den Flugplatz dabei nicht im Auge und mußte mich neu orientieren. Dann Platzrunde und Landung mit Bodenkontakt im weißen Viereck am Beginn der Landebahn. Mit schwitzigen Händen setzte ich mit dem Fahrwerk im weißen Viereck auf und brachte wie gewünscht das Flugzeug vor der roten Markierung zum stehen. Da war eine ordentliche Portion Glück mit an Bord. Später erfuhr ich, dass die Platzrunde viel zu groß war und dadurch bescheiden war. Glücklicherweise hatte ich bei der Ausführung der anderen Prüfungsteile genügend Pluspunkte gesammelt um dies problemlos auszugleichen.

Nun war es Zeit für den Langsamflug, das Slippen und den Sturzflug. Das klappte alles wie gewollt. Als nächstes mußte ich ein defektes Fahrwerk und einen defekten Motor simulieren und das Flugzeug Notlanden. Mit neuem Flugzeug sollten wir eine korrekte Platzrunde fliegen. Wieder war unsere Platzrunde zu groß gewählt. Im Rückenflug mit maximal 30m über Grund sollte die Landebahn überflogen werden. Die 30m klappten gut, aber wir verfehlten beide die Landebahn ein wenig. Glücklicherweise nur ein kleiner Formfehler. Als letztes folgte eine Platzrunde mit sauberer Landung und das Abstellen des Flugzeugs auf einem zugewiesenen Vorfeld.

Jeder Prüfling sollte sich selbst einschätzen und seine Stärken und Schwächen bewerten. Danach tat der Prüfer das gleiche. Bis auf wenige kleine Fehler war die Prüfung gut verlaufen und die Prüflinge haben bestanden.

Der Prüfer durfte während der Prüfung zwar nicht helfen, konnte uns aber immer wieder ein wenig beruhigen. Vielen Dank an den Prüfer für die Unterstützung und die Abnahme der Prüfung!

Und was jetzt?

Jetzt habe ich die Fliegerschwingen in Bronze erhalten. Die erlernten Element müssen weiter geübt werden, damit sie in Fleisch und Blut übergehen. Zusätzlich werde ich anfangen Flugerfahrung (offline und online) zu sammeln. Ich werde mich bei einem online Fluggeschwader anmelden um dort in Kontakt mit erfahrenen Piloten zu kommen.

Sobald die Möglichkeit besteht weitere Kurse in der JFS zu belegen, werde ich die Chance ergreifen um meine Fertigkeiten und mein Wissen auszubauen. Es macht riesigen Spass. Ich kann jedem nur empfehlen eine Grundausbildung an der JFS zu absolvieren. Ich verstehe nicht wie man bei IL-2 ohne einen erfahrenen Tutor einen Einstieg in das Spiel finden soll. Jedenfalls muss es viel härter und frustrierender sein.

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