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Mein erstes Wikingerschild

Ein typisches Wikingerschild war rund, 80-90 cm im Durchmesser und flach. Es wurde aus einzelnen Planken zusammen gesetzt, die 6-10 mm dick waren und meist zu den Enden dünner wurden. In der Mitte befand sich ein Loch, das vom Schildbuckel verdeckt wurde. Der Schildbuckel war aus Eisen und konnte verschiedene Formen haben. Er wurde festgenagelt. Als Griff diehnte eine Leiste die quer zu den Planken von hinten aufgenagelt wurde. Sie hielt die Planken zusätlich zusammen. In der Mitte (über dem Loch) wurde diese Leiste abgerundet und/oder mit Leder umwickelt. Um den Rand des Schildes zu schützen wurde dieser mit Rohhaut, Leder oder Metallbeschlägen verstärkt. Nähere Informationen findet man auf Webseiten, die Ihr in meiner Linksammlung hier findet.

Wie sieht mein Wikingerschild aus?

Mein Wikingerschild ist NICHT authentisch! Ich bin Praktiker und meine Sicherheit ist mir wichtiger als die Authenzität. Daher habe ich das Schild aus einer querverleimten Multiplexplatte erstellt. Dieses Material ist wesentlich stabiler als zusammengeleimte Holzplanken und somit sicherer. smile-daumen.gif
Außerdem waren die Kampfschilde damals Verbrauchsmittel. So ein Schild hat unter Umständen nicht mal eine Schlacht gehalten. sword2.gif

Ein Arbeitskollege hatte mir für schlappe 5 € ein fertig gesägtes Multiplexholz mit 70 cm Durchmesser und einer Dicke von 14 mm besorgt. An dieser Stelle nochmal ein DICKES Dankeschön an den edlen Spender!

Leider wiegt mein Schld durch die Dicke und Größe der Platte rund 4,5 kg. Das ist für mich zum kämpfen zu schwer (siehe auch: Was mache ich beim nächste mal anders!). bandit.gif

Mein Schild ist auf beiden Seiten mit Leinen beklebt und hat einen Kantenschutz aus aufgenagelter Rohhaut.

Und so sieht es aus (zum vergrößern wikischild01gross.jpg und wikischild02gross.jpg anklicken):

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Material

  • 1 Brett 1 m x 1m Multiplexholz 14mm (besser ist aber 9mm)
  • 2 billige Bretter selbe größe
  • 1 Vierkantholz 4 x 2 x 100 cm
  • 2 Große Hundeknochen
  • 2 m Leinen
  • Ponalleim Wasserfest
  • geschmiedete Nägel
  • Farben für die Bemalung
  • Kleine Nägel
  • Firmis oder Schutzlack
  • etwas Leder für den Griff

Alle Materialien und Hilfsmittel kann man im Baumarkt kaufen.

Werkzeuge

  • Holzsäge
  • Stichsäge
  • Pinsel
  • Hammer
  • Schleifpapier
  • Schere
  • Holzleimklemme
  • Feile
  • Zange
  • Teppichmesser

Sägen

Da ich das Brett fertig zugeschnitten von meinem Kollegen erhilet, brauchte ich die Außenkante nicht zu sägen. Das innere Loch aber schon. Beim Sägen mit der Stichsäge sollte man auf die Oberseite ein Stück Holz schrauben, da sonst das Holz ausfranst und das ziemlich häßlich aussieht. Das Sägeblatt sollte ganz frisch sein und die Stichsäge auf gerigen Vorschub gestellt werden.

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Leimen

Auf beiden Seiten habe ich Leinenstoff aufgeleimt. Der Stoff sollte an den Ränder mindestens 4 cm überstehen, damit das abschneiden leichter fällt. Beim Abschneiden muß man den Stoff (innen und außen) um soviel länger lassen, wie das Holz dick ist. Dadurch kann man es später an den Kanten übereinander legen, so dass die Schnitte im Stoff verdeckt werden. Die Schnitte müssen auf der anderen Seite versetzt sein, damit die Lücken nicht so auffallen. Dieser Rand wird auf das Holz geklebt.

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Dann wird das ganze Schild mit verdünntem Ponalleim eingepinselt. Das hat zwei Vorteile:

  1. Das Schild ist beständiger gegenüber Feuchtigkeit.
  2. Beim Bemahlen saugt der Stoff nicht soviel Farbe auf.

Bemahlung

Nun überlegt man sich die Bemahlung. Mir gefiehl die Kombination aus Gelb und Schwarz bei einem viergeteilten Muster am besten. Also teilte ich die Vorderseite in vier gleichgroße Teile und bemahlte sie mit Gelb und Schwarz. Auf die gelben Teile mahlte ich noch ein keltisches Muster, das ich im Internet gefunden hatte. Die Innenseite hatte ich in einem Ockerton bemahlt, damit das Holz nicht mehr so durchschimmerte.

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Am Schluss kommt noch eine Schicht Firnis oder Lack drüber, damit die Farbe Wasserfest ist. Am besten nimmt man matten Lack, damit der mittelalteliche Look erhalten bleibt.

Der Griff

Aus der Holzleiste fertigt man nun den Griff. Als erstes wird er so gekürzt, dass er 10 cm kleiner als der Schilddurchmesser ist. Dadurch kann man später ungehindert den Randschutz anbringen. Dann feilt man die Enden des Griffs rund und flacht sie ab. In der Mitte feilt man den Griff so, dass er sich angenehm fassen läßt.

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Ich habe meinen Griff noch Lackiert um ihn widerstandfähiger zu machen und in der Mitte mit Leder umwickelt.

Befestigung

Nun wird der Griff und der Schildbuckel befestigt. Dazu braucht man sechs große Nägel. Am schönsten sind geschmiedete Nägel, aber die konnte ich leider nicht auftreiben. Ich habe normale Nägel genommen die ca. 7 cm lang waren und den Kopft so lange mit dem Hammer bearbeitet, bis das Muster nicht mehr zu sehen war.

Man legt den Schildbuckel über das Loch auf die Außenseite. Der Schildbuckel soll so liegen, dass sich die vier Löcher an den Schnittkanten der farbigen Felder auf der Vorderseite befinden. Man bohrt nun die Löcher mit einem kleinen Bohrer vor. Durch zwei der vier Löcher schlägt man Nägel durch.

Auf der Innenseite werden die Nagelspitzen mit einer Zange umgebogen bis Sie eine 1 ergeben. Nun muss man von der Außenseite Druck auf den Nagelkopf geben (damit er nicht raus gedrückt wird) und auf der anderen Seite den Nagel umhauen, so dass die Spitze und der Nagel im Holz versengt werden. Der Schildbuckel liegt nun fest auf.

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Auf der Innenseite legt man den Griff genau über die beiden noch leeren Löchern, befestigt ihn (z.B. mit Klemmen) und bohrt ihn von außen nach innen mit dem Bohrer an. Sobald man ein kleines Stück im Griff ist hört man auf zu bohren. Das gleich macht man ein Stück näher am Schildrand nochmal um ein weiteres Paar Nägel einschlagen zu können. Das zusätzliche Paar Nägel sorgt für Stabilität. Den Griff bohrt man dann separat und spannt ein Stück Holz auf die Unterseite, damit das Holz nicht häßlich ausbricht.
Nun schlägt man die Nägel durch den Schildbuckel, das Schild und den Griff. Dann schlägt man sie genauso um wie das erste Paar Nägel.

Randbefestigung

Für die Umrandung benutzt man Rohhaut. Eine günstige Methode um an Rohhaut zu kommen ist das Einweichen von Hundeknochen. Die bestehen oft aus Rohhautstreifen, die verknotet und dann getrocknet werden. Weicht man diese in Wasser ein, kann man die Knoten lösen und hat gute Rohhautstreifen. Diese werden in 6 cm breite Streifen geschnitten und trocken getupft.

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Die Streifen werden auf den Rand gelegt und mit kleinen Ziernägel vernagelt. Damit die Rohhaut sich schön um den Rand legt, nagelt man den Anfang fest, zieht sie an der Kante entlang, streicht über die Haut und befestigt sie mit einer Klemme. Die schwarze Klemme ist dabei viel besser als die mit dem Roten Griff. Ist die Rohhaut zu sehr eingeweicht, reißt sie leicht ab. Wenn sie zu trocken ist, läßt sie sich nicht um den Rand biegen. Hier hilft nur ausprobieren. So geht man Stück für Stück vor. An den Stellen, an denen man mit einem neuen Streifen anfangen muss, wird später ein größeres Stück drübergelegt und festgenagelt. Sollten diese Stücke später spitze Stellen haben, werden diese natürlich abgefeilt.

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Die Rohhaut wird leicht durchsichtig sobald sie getrocknet ist. Man sollte darauf achten, dicke Rohhaut zu nehmen. Dünne kann sonst schnell splittern. Als letztes kann man den Rand entweder mit Fett, Wachs oder Firnis gegen Wasserschäden schützen.

Was mache ich beim nächsten mal anders!

Ich möchte das nächste Schild sowohl beim Kampf in der SCA, als auch im Kampf nach Codex Belli verwenden können. Es soll leicht, robust, regelkonform sein und dabei authentisch aussehen. Mit anderen Worten: Eine eierlegende Wollmilchsau! gruebel.gif

Ok ich weiß, dass dies unmöglich ist. Da muss ich wohl Kompromisse machen. So soll das nächste Schild werden:

  • 6 oder maximal 9 mm Multiplex- oder Limbaholz
  • 60 cm im Durchmesser
  • wieder beide Seiten mit Leinen beklebt
  • Farben sind noch unklar
  • Rand wird mit Lochband verstärkt und mit Gummischlauch ummantelt
  • über den Gummischlauch kommt Leder, dass nicht vernagelt, sonder vernäht wird
  • den Griff und den Schildbuckel werde ich vielleicht auf mittelalterliche Weise vernieten
  • ein Schultergurt darf naturlich nicht fehlen

Das wars von mir. Peter Lustig würde jetzt sagen: "Ihr könnt den Computer jetzt ausschalten." smile-grin.gif

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