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Bogenbaukurs bei Jürgen Junkmanns

Bogenbaukurs bei Jürgen Junkmanns

Am 19. und 20.06.2004 habe ich an einem Bogenbaukurs in Düsseldorf unter der Leitung von Jürgen Junkmanns teilgenommen.
In diesem Erfahrungsbericht will ich erzählen was ich erlebt habe und wie es mir gefallen hat.

Einführung

Samstagmorgen ging es los mit einer kurzen Einführung in die Geschichte des Bogens. Zu diesem Zweck hatte Herr Junkmanns Nachbauten der verschiedenen Bögen mitgebracht, so dass die Teilnehmer einige der geschichtlichen Aspekte nicht nur hören sondern auch sehen und anfassen konnten.
Die Reise begann beim mittelsteinzeitlichen Bogen vom Typ Holmegard und beim jungsteinzeitlichen Bogen Typ Bodman. Dann kamen der Wikingerbogen Typ Haithabu und der Alamannischer Langbogen Typ Oberflacht. Als letztes wurde der Englischer Langbogen Typ Mary Rose behandelt.

Vorderseite

Danach erhielt jeder Teilnehmer den für ihn vorbereiteten Bogenrohling (Größe, Form und Zuggewicht) aus Hickoryholz, eine Raspel, eine Klemmzwinge, einen Schraubstock, ein Stahlblech und ein Stück Holz zum Unterlegen.

Die Vorderseite des Rohlings wurde mit einer Raspel in Form gebracht und dann mit einem Stahlblech abgezogen, bis sich die Oberfläche glatt anfühlte. Herr Junckmanns erklärte jedem Teilnehmer die besonderen Merkmale seines Bogens und gab Verarbeitungstipps.
bbk-raspeln.jpg bbk-teilnehmer.jpg

Unterseite

Nun fing die eigentlich Arbeit an. Die Unterseite mußte abgeraspelt werden, bis die Sägespuren nicht mehr zu sehen waren. Als nächste wurden die Sehnenkerben gesägt und sauber gefeilt, damit keine scharfen Kanten die Sehne beschädigen können.
Dann wurde der Bogen zum ersten Mal getillert, d.h. er wird mit einer längeren Sehne gespannt und man schaut ob sich beide Arme gleichmäßig biegen. War dies nicht der Fall (was öfter vorkam), musste die steifere Bogenhälfte bearbeitet werden, bis die Form des Bogens beim Tillern wieder stimmte.
Als der Bogen ein paar Tillervorgänge hinter sich hatte, um sich an die Belastung zu gewöhnen, wurde die Sehne gekürzt.
Als die Form des Bogens stimmte wurde die Unterseite abgezogen und dadurch geglättet.

bbk-tillern.jpg bbk-bogengriff.jpg

Mittagspause

Um uns zu stärken führte uns Jürgen Junkmanns in einen Chinesisch/Thailändischen Imbiss. Jedem war freigestellt, ob er mitkommen oder lieber seine Pause wo anders verbringen wollte. Das Essen dort hat mir sehr gut geschmeckt.

Fitnessstudio?

Nun konnte man den Bogen zum ersten Mal richtig ziehen ohne Gefahr zu laufen, dass er beschädigt würde.
Beim ersten Versuch war mein Bogen viel zu stark für mich, so dass die oben beschriebene Prozedur wiederholt werden musste, d.h. raspeln, glätten, tillern, ausgleichen.
Beim zweiten Versuch hatte der Bogen schon weniger Zuggewicht. Trotzdem war ich von meinen gewünschten 35lbs noch weit entfernt. So musste ich diese Prozedur nochmals wiederholen.

Torschlusspanik

Um mich herum fingen die meisten schon an mit den Feinarbeiten. Zweimal hatte ich nun einen sauber ausgeglichenen Bogen, der mir aber zu stark war. So kam etwas Frust in mir auf. Nach dem Motto: "So nun krieg ich dich klein!" fing ich an zu raspeln.
Herr Junkmanns kam mir dann zu Hilfe, so dass ich an diesem Abend (als letzter) doch noch fertig wurde.
Für einen Büromenschen wie mich, war das raspeln schon sehr anstrengend. biggrin.gif

Ein netter Abend

Herr Junkmanns bietet seinen Seminarteilnehmern an, am Samstagabend, kostenlos in Düsseldorf zu übernachten. Alles was man braucht ist eine Luftmatratze und ein Schlafsack. Dieses Angebot haben ein weiterer Teilnehmer und ich gerne angenommen. Nach dem Kurs sind wir zu einem griechischen Restaurant gegangen und haben in gemütlicher Runde das Fußballspiel Deutschland gegen Lettland geguckt. Ich fand diesen Abend sehr schön und die interessanten Gespräche in kleiner Runde toll.
Ich möchte mich bei den lieben und angenehmen Menschen bedanken, mit denen ich den Abend verbringen durfte.

Ein neuer Tag

Nach einem sehr gemütlichen und leckeren Frühstück brachen wir wieder auf. Ich schliff meinen Bogen und wachste ihn. Danach wurden die Sehne gewickelt. Dafür verwendeten wir Dracon, der nach der Methode flämischer Spleiß verarbeitet wurde. Dies ging zum teil ganz schön in die Finger, doch die fertige selbsterstellte Sehne gleicht das wieder voll aus.

Traditionell Essen

Da am Sonntag immer nur der halbe Tag angesetzt ist, speisten wir im gegenüber gelegenen McDonald. Ein Seminarteilnehmer bemerkte treffend, dass dies doch traditionell sei, da wir unsere Finger benutzten. fastfood.gif

Horn, Feder und Schaft

Jetzt zeigte uns Jürgen Junkmanns rekonstruierte Pfeile und erklärte den geschichtlichen Hintergrund und die Verarbeitungsmethoden. Jeder Teilnehmer bekam zwei Kiefernholzschäfte, Federn, ein Stück Horn und (aus Zeitmangel) eine Tophat Schraubspitze. Aus dem Horn wurde eine Pfeilspitze gefeilt, in den Schaft eingesetzt und verleimt. Dann wurde der Nock gesägt, die Federn angeklebt und mit Hanf die Wicklung für die Hornspitze, die Federn und den Nock angebracht.

bbk-pfeil.jpg bbk-pfeilspitze.jpg

Und Schluss

Leider fehlte die Zeit um Testschüsse durchzuführen. Aber selbst wenn dafür noch Zeit geblieben wäre, hätte der Regen dafür gesorgt, dass dies ins Wasser gefallen wäre. Am Schluss wurden noch die letzten Bilder gemacht und sich verabschiedet.

Danksagung

Ich fange bei Jürgen Junkmanns an. Ich möchte Dir lieber Jürgen für die präzisen Erklärungen, deine Geduld und Deine Erfahrung danken. Du hattest immer ein offenes Ohr für Fragen.
Dank auch an Cordula Helfert für die gemütliche Unterbringung, das tolle Frühstück und die interessante Gesprächsrunde.
Und nun an alle die als Teilnehmer dabei waren. Es hat mich sehr gefreut Euch kennen zu lernen und mit Euch zusammen dieses Wochenende zu verbringen. Ich hoffe, dass wir uns noch mal über den Weg laufen, oder sogar den einen oder anderen Pfeil gemeinsam fliegen lassen.
Ich wünschen Euch allen alles Gute und dass ihr noch viel Spaß mit euren Bögen habt.

Fazit

Es war ein anstrengendes Wochenende. Und doch würde ich es immer wieder machen, denn es war ein riesen Spaß.
Die Leute waren super nett, der Raum passte und das Mittagessen war lecker.
Man merkt, dass Jürgen Junkmanns seit 20 Jahren Bögen baut und seit 7 Jahren Kurse zu dem Thema gibt. Er sieht auf einen Blick wo und was zu tun ist und kann einem schnell und verständlich erklären wie man es tun soll.
Einfach Klasse. Jeder der Bögen sah spitze aus! smile-biggthumpup.gif Und das ist mein fertiger Bogen mit den beiden Pfeilen:

bbk-bogen1.jpg bbk-bogen2.jpg

Kontakt

Alle Daten, Bilder und Beschreibungen über die Bögen und die Kurse von Jürgen Junkmanns findet man unter: http://www.pfeil-bogen.de

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